
Gefährliche Stoffe sind an mehr Arbeitsplätzen vorhanden, als die meisten Führungskräfte annehmen. Sie treten nicht nur in der chemischen Produktion auf. Reinigungsmittel, Laborreagenzien, Schweißrauche, Kraftstoffadditive, Farben, Klebstoffe, Druckgase und Behandlungschemikalien können allesamt Expositions-, Brand-, Korrosions- oder Reaktivitätsprobleme verursachen, wenn sie am Standort nicht ausreichend kontrolliert werden.
Die größte Herausforderung ist selten ein hohes Maß an Bewusstsein. Die meisten wissen, dass ein gefährliches Produkt Arbeiter verletzen kann. Schwieriger ist es, den routinemäßigen Umgang, die vorübergehende Lagerung, unverträgliche Kombinationen und Restmüll so zu kontrollieren, dass das Risiko gering bleibt, selbst wenn Lieferungen verspätet eintreffen, Wartungsarbeiten neue Aufgaben mit sich bringen oder ein Leck den Schichtbetrieb unterbricht.
Die besten Kontrollsysteme betrachten chemische Risiken als einen dynamischen Prozess. Sie rechnen mit Bestandsabweichungen, beschädigten Verpackungen, falsch etikettierten Transferflaschen und Fremdprodukten, die für einen Produktionsstopp auftauchen und dann wieder verschwinden, sofern sie nicht ordnungsgemäß erfasst werden.
Der Begriff umfasst mehr als nur Flüssigkeiten in deutlich gekennzeichneten Fässern. Er schließt unter Druck stehende Gase, ätzende Reinigungsmittel, Pulver mit Inhalationsgefahren, hautschädigende Stoffe, gefährlich reagierende Mischstoffe und auch nach Gebrauch noch riskante Abfallströme ein. Die genaue Kennzeichnung kann variieren, das Prinzip der Gefahrenabwehr bleibt jedoch gleich: Man muss die Gefahrenquelle, den Expositionsweg und die Bedingungen, die die Situation verschlimmern, verstehen.
Oft wird die Exposition unterschätzt, da der Fokus ausschließlich auf der Hauptproduktionschemikalie liegt. Hilfsstoffe wie Entfetter, Wartungssprays, Batterien, Behandlungstabletten und Produkte von Fremdfirmen können jedoch denselben Bedarf an Kennzeichnung, Trennung, Belüftung und Notfallmaßnahmen verursachen. Eine realistische Bestandsaufnahme sollte alles umfassen, was auf das Gelände gelangt, verwendet wird und lange genug verbleibt, um Menschen oder Sachwerte zu beeinträchtigen.
Gefährliche Stoffe sollten daher abteilungsübergreifend und nicht nur schrankweise geprüft werden. Beschaffung, Betrieb, Reinigung, Instandhaltung und Abfallentsorgung tragen alle ihren Teil zum Gesamtbild bei. Sobald diese Teile zusammengeführt sind, kann das Unternehmen entscheiden, welche Stoffe strengere Lagerungsvorschriften, lokale Absaugmaßnahmen, Genehmigungsprüfungen oder Ersatzstoffe erfordern.
Ein sinnvoller erster Schritt ist die Gruppierung der Materialien nach den erforderlichen Kontrollmaßnahmen. Dies hält das Gespräch praxisnah und hilft Vorgesetzten zu erklären, warum zwei Produkte mit sehr unterschiedlichen Namen dennoch ähnliche Vorsichtsmaßnahmen erfordern können.
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