
Die Ursachenanalyse verliert an Wert, sobald die Untersuchung in Schuldzuweisungen mündet. Schuldzuweisungen mögen zwar effizient erscheinen, da sie eine Person benennen, die Diskussion schnell beenden und den Eindruck erwecken, das Problem sei gelöst. In Wirklichkeit bleiben die ursächlichen Bedingungen für den Fehler jedoch oft ungelöst. Der nächste Mitarbeiter erbt dann dieselbe Konstruktionsschwäche, denselben Zeitdruck oder dieselbe unklare Abgrenzung, die das Ereignis ursprünglich verursacht hat.
Eine strengere Methode stellt eine schwierigere Frage: Warum erschien die Handlung den Beteiligten in diesem Moment angesichts der Informationen, Werkzeuge, Gegebenheiten, der Aufsicht und des Drucks, unter dem sie arbeiteten, sinnvoll? Diese Frage entschuldigt keine Fehlentscheidungen. Sie erweitert die Untersuchung, sodass die Organisation erkennen kann, wie das System das Ereignis beeinflusst hat, anstatt jeden Fehler als isolierte Fahrlässigkeit zu betrachten.
Schuldzuweisungen führen zu einer einseitigen Betrachtungsweise. Eine Person hat einen Fehler gemacht, woraufhin das Unternehmen eine Nachschulung, eine Verwarnung oder eine Erinnerung ausspricht und die Sache damit erledigt ist. Das Problem dabei ist, dass diese Sichtweise selten erklärt, warum dieselbe Abkürzung überhaupt möglich war, warum die Aufsicht den Fehler nicht bemerkt hat, warum das Verfahren ihn nicht verhindert hat oder warum die Ausstattung, die Raumaufteilung oder der Zeitplan den Fehler begünstigt haben.
Diese Einseitigkeit ist gefährlich, weil sie wiederkehrende Muster verschleiert. Mehrere Ereignisse mögen zunächst unzusammenhängend erscheinen, bis dem Team dieselbe mangelhafte Übergabe, dieselbe unklare Genehmigungslogik oder derselbe Druck, eine Aufgabe vor Schichtbeginn abzuschließen, auffällt. Eine auf Schuldzuweisungen basierende Überprüfung übersieht dieses Muster meist, da sie darauf ausgelegt ist, bei der nächstliegenden menschlichen Entscheidung zu enden.
Eine bessere Analyse berücksichtigt die Verantwortlichkeiten, ohne vorzugeben, dass diese allein das System erklären. Mit zunehmender Erweiterung des Analyseansatzes wird die Organisation besser in der Lage, zukünftige Ereignisse zu verhindern, anstatt lediglich die Missbilligung des letzten Vorfalls zu dokumentieren.
Eine gründliche Überprüfung betrachtet die gesamte Kette rund um das Ereignis: Aufgabenplanung, Umgebung, Zustand der Ausrüstung, Zugang, Schulung, Aufsicht, Kommunikation, Arbeitsbelastung, Schnittstelle zu externen Dienstleistern, Änderungshistorie und wie mit Störfällen vor dem Ausfall umgegangen wurde. Diese umfassendere Betrachtungsweise hilft dem Team zu erkennen, welche Barrieren fehlten, unzureichend waren oder umgangen wurden.
Auch der Zeitpunkt ist entscheidend. Die Methode sollte rekonstruieren, was geschah, bevor das Ereignis sichtbar wurde, und nicht nur, was in den letzten Sekunden geschah. Vorbereitende Schritte, frühere Wartungsentscheidungen, Schichtübergaben, temporäre Änderungen und ignorierte Warnsignale liefern oft mehr Erklärungskraft als die letzte Handlung allein.
Jeder Analyseschritt sollte auf Beweisen basieren. Zeugenaussagen, Aufzeichnungen, der Zustand der Ausrüstung, Genehmigungen, Alarme, frühere Erkenntnisse und Beobachtungen vor Ort tragen dazu bei, zu prüfen, ob die vorgeschlagene Ursache real oder lediglich eine plausible Erklärung ist. Eine zwar plausible, aber nur schwach belegte Ursache sollte vorläufig bleiben.

Ein häufiger Fehler besteht darin, sich auf eine einzige Ursa